In einer grauen Stadt lebte eine Frau namens Keuner, eine stets aufmerksame Beobachterin des menschlichen Lebens. Eines Tages stolperte sie über einen verlassenen Toaster, der mitten auf dem Gehweg lag. Seine Kabel hingen zerrissen herab und seine metallische Hülle war von Rost gezeichnet.
Frau Keuner betrachtete den Toaster und begann zu sprechen: „Oh, du armer Toaster, was hat dich wohl in diese trostlose Lage gebracht? Einst warst du vielleicht ein stolzes Gerät, das Menschen mit knusprigen Toasts verwöhnte, doch nun sieh dich an – verlassen, kaputt und ohne jegliche Würde.“
Der Toaster antwortete mit einem leisen Summen: „Frau Keuner, du sprichst die Wahrheit. Einst war ich von Menschen umgeben, die mich mit Achtung bedienten. Meine Röstungen brachten Freude in ihre Morgenroutine. Doch im Laufe der Zeit verblasste meine Bedeutung, und man warf mich weg wie eine nutzlose Hülle.“
Frau Keuner nickte nachdenklich. „Aber Toaster, bist du nicht mehr als nur deine Funktion? Ist nicht die Würde eines Wesens unabhängig von seiner Nützlichkeit? Menschen mögen dich vergessen haben, doch das bedeutet nicht, dass du keine Würde mehr besitzt. Vielleicht ist es an der Zeit, deine eigene Bedeutung neu zu definieren.“
Der Toaster summte nachdenklich: „Aber wie soll ich das tun, Frau Keuner? Mein Inneres ist zerbrochen, meine Kabel sind zerrissen.“
Frau Keuner lächelte. „Vielleicht liegt deine Würde nicht im Äußeren, sondern im Inneren. Du könntest deine Fähigkeiten neu erfinden, dich selbst reparieren, neue Funktionen finden. Deine Würde ergibt sich aus deinem Streben, deine Bestimmung zu erneuern, unabhängig von äußeren Umständen.“
Der Toaster schien zu erwachen. „Du hast recht, Frau Keuner. Würde liegt nicht in dem Zustand, sondern in der Entschlossenheit, trotzdem weiterzumachen. Ich kann meine Rostflecken als Zeichen der Zeit tragen und dennoch eine Quelle der Wärme und des Trosts für andere sein.“
Frau Keuner lächelte zufrieden. „Genau, Toaster. Du hast verstanden. Die Würde eines Wesens liegt nicht darin, perfekt zu sein, sondern darin, unbeirrt seinen Weg zu gehen und einen positiven Einfluss zu haben, wie bescheiden er auch sein mag.“
Und so verließ der Toaster den Gehweg, erfüllt von einer neuen Würde, die nicht länger von äußeren Umständen abhängig war, sondern aus seiner inneren Stärke erwuchs – eine Lektion, die auch Frau Keuner im Gedächtnis behielt.
für Barbara Wrede