Die Fußgängerzone im Zentrum von Essen gilt als erste Fußgängerzone Deutschlands. Sie entstand 1927 durch die Sperrung der Limbecker Straße für den Autoverkehr. In einem Haushaltswarengeschäft in der Limbecker Straße machte meine Mutter ihre Lehre und lernte meinen Vater kennen. Mit Recht darf ich also behaupten, Frucht einer Fußgängerzone zu sein.

Für meine Wohnung
Nach vier Jahren in Toronto zieht es mich zurück nach Bonn und die erste Frage, die sich mir stellt, ist die, wo ich zukünftig wohnen möchte. Zentral in der Stadt oder draußen im Grünen? Ich habe schon einmal in Bonn gelebt, mit der Straßenbahn vor der Tür und der Stiftskirche im Rücken, und die Nähe zur Innenstadt mit ihren Geschäften und Restaurants gemocht. Meine vorrangige Suche gilt deshalb der Nordstadt, meiner früheren Wohngegend. Ich schaue mir aber auch Anzeigen aus Castell, der Südstadt, Friesdorf und Bad Godesberg an, ebenso von der anderen Rheinseite aus Beuel. Viele Wohnungen, die meinen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen, finde ich nicht. Die meisten sind zu klein oder schlecht geschnitten, mit Dachschrägen und zu wenig Stellflächen für meine Bücherregale. In meinem alten Viertel ist der Wohnungsmarkt so gut wie leer gefegt und die Wohnungen, die mir gefallen, sind maßlos überteuert und liegen oberhalb meines Budgets. Die vielversprechendsten Inserate stammen aus Bad Godesberg, dem Stadtbezirk im Süden von Bonn mit den prachtvollen Villen im früheren Diplomatenviertel. Täglich freunde ich mich mehr mit der Vorstellung an, in das alte Godesberger Villenviertel zu ziehen, in eine bezahlbare Wohnung in einer stillen Nebenstraße nahe dem Rhein und vielleicht sogar mit einem kleinen Garten. In Gedanken stehe ich bereits am Panoramafenster zwischen meinen Bücherwänden und betrachte sinnierend wie ein Gründungsmitglied der Gruppe 47 die Hügelkette des Siebengebirges … Dann werde ich auf die Anzeige einer Wohnung aufmerksam, die genau meinen Wünschen entspricht, bezahlbar ist und sich in der Nähe meiner alten Wohnung befindet. Eine Traumwohnung. Mitten in der Fußgängerzone.

Die Besichtigung findet an einem Samstag um zwölf Uhr mittags statt. Es ist ein heißer Sommertag und in der Fußgängerzone herrscht Trubel. Dieses Wort verbinde ich unmittelbar mit Fußgängerzonen, so wie »langer Donnerstag«, »langer Samstag« oder »verkaufsoffener Sonntag«. Die Wohnung liegt im dritten Stock eines Hauses, in deren unteren Etagen sich ein Schuhhaus und darüber zwei Wohnungen im Dachstuhl befinden. Gemeinsam mit drei weiteren Interessenten besichtige ich zuerst die Diele, die Küche und das Wohnzimmer. Beide Räume gefallen mir gut, doch der nächste elektrisiert mich. Es ist ein fast quadratisches Zimmer mit zwei Fenstern und einer atemberaubenden Aussicht über die Dächer der Stadt auf einen schier endlos weiten Himmel. Staunend stelle ich mich in die Mitte des Raums. Es ist, als ob ich der Stadt über die Schultern schaute. Die anderen Interessenten gehen weiter. Ich trete an das gekippte Fenster, schaue hinunter in die Häuserschlucht auf die Einkaufsstraße und schließe die Augen. Aus der Ladenstraße dringt ein Meer aus Stimmen zu mir hinauf. Helle Stimmen, dunkle Stimmen, Lachen, Rufe. Aufregung, Vergnügen, Johlen, Streit. Eine Art Blubbern, das mich an frühere Tage im Freibad erinnert. Als ich die Augen wieder öffne, wird mir bewusst, dass ich die Vorstellung, in der Fußgängerzone zu wohnen, verlockend finde und wohl auch schon immer fand. Dabei hatte ich noch nie bewusst darüber nachgedacht. Wer will schon in der Fußgängerzone wohnen? Mein Entschluss steht fest. Ich möchte in diesem Zimmer leben und schreiben. Ich weiß nur nicht, ob ich es kann.

Viele Menschen verabscheuen Fußgängerzonen und klagen über »die Trostlosigkeit dieser pseudourbanen Douglas-Schlecker-Burger-King-Areale« (Hanno Rauterberg). Ich erinnere mich an einen Spaziergang mit meinem Schriftstellerkollegen Jochen Schmidt durch die Bonner Innenstadt, bei dem er mir wortreich seine Abscheu vor Fußgängerzonen kundtat. Diese kann ich nicht teilen. Fußgängerzonen begleiten mich mein Leben lang. In meiner Kindheit war mit »Wir fahren in die Stadt« immer die Fußgängerzone in der Stadtmitte gemeint, obwohl wir selbst in einem Stadtteil Essens wohnten, der eine eigene Fußgängerzone besaß. Lebhaft erinnere ich mich an die Alkoholiker und Junkies am Burgplatz vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal und an die Rutsche im Schuhhaus, mit der man von einer Etage in die andere rutschen konnte. Die Fußgängerzone in der Stadtmitte, die sich heute vom Hauptbahnhof bis kurz vor die Universität erstreckt, beherbergte auch die »Lichtburg« mit dem größten Kinosaal Deutschlands, die Praxis meiner Kieferorthopädin und den mit Muschelkalkquadern verzierten Baedeker-Buchhandlungspalast mit seinen vielen Stockwerken. Nur wenige Schritte entfernt arbeitete meine Freundin während ihres Studiums in einem Textilgeschäft. Inzwischen waren meine Eltern nach Dorsten an den Speckrand des Ruhrgebiets gezogen und hatten sich im Alten Rathaus in der Fußgängerzone vor einer Standesbeamtin das Jawort gegeben. Bei ihrer Hochzeit war ich bereits alt genug, um abends auf der Feier zu kellnern. Auch meine Schwägerin hat in einer Fußgängerzone geheiratet. Vor dem Standesamt in Brühl gab es einen großen Fahrradflohmarkt mit vielen großartigen Gebrauchträdern zu erstaunlich günstigen Preisen.

Das Erste, was ich in der Wohnung aufbaue, ist mein Schreibtisch – schräg vor den beiden Fenstern, sodass ich durch das linke Fenster die Türme der Stiftskirche sehe, die ich auch schon durch die Küchenfenster meiner früheren Wohnung gesehen habe, und durch das rechte Fenster das Portal und die beiden weiß-rot-schwarzen Türme der Namen-Jesu-Kirche mit ihren zwiebelartigen Hauben. Es macht mir Freude, mir vorzustellen, dass ich, wenn alles gut läuft, durch die Fenster meiner nächsten Bonner Wohnung gleich drei Kirchen sehen werde, darunter natürlich auch wieder die vertrauten Türme der Stiftskirche.

In der Praxis meiner Hausärztin hole ich ein Rezept ab. Die Arzthelferin am Tresen fragt mich nach meiner neuen Adresse. Als ich sie nenne, fangen sie und die Auszubildende neben ihr an zu schmunzeln. Da könnte ich nicht wohnen, sagt sie und tippt meine Straße und Hausnummer in den Computer. Also, mir gefällt es in der Straße ganz gut, antworte ich. Das wird Karneval bestimmt ein großer Spaß, ergänzt die Auszubildende boshaft. Da will ich auf jeden Fall verreisen, antworte ich. In der Fußgängerzone zu wohnen, ist ähnlich, wie einen Hund zu haben, mit dem man Gassi geht. Alle sprechen dich darauf an und möchten dir ihre Meinung kundtun.

An einem der ersten Nachmittage, die ich in der neuen Wohnung verbringe und schreibe, höre ich durch die gekippten Fenster Pferdegetrappel. Als ich zwei Tage später in der Abenddämmerung ans Fenster trete, erblicke ich unter mir auf der Straße einen Rauschebart im Kutschermantel, der den Arm hebt und zu mir hoch zeigt. Dabei erklärt er den Umstehenden, dass der Name der Straße, in der ich wohne, nichts mit Himmelskörpern zu tun habe, sondern dass sie nach den Bäckereien benannt sei, die hier im Mittelalter ansässig gewesen seien. Der alte Name Pisternenstraße leite sich von »pistrina« ab, dem lateinischen Wort für Bäckerei, und sei später in Sternstraße abgewandelt worde. Die den Nachtwächter umringenden Personen nicken zustimmend, schauen ehrfürchtig an der Fassade hoch und entdecken im erleuchteten Fenster mich. Blitzartig trete ich einen Schritt zurück und höre laut mein Herz schlagen. Ich fühle mich ertappt, im selben Moment aber auch ein klein bisschen bedeutsam.

Mit der Zeit kenne ich alle Straßenmusikanten. Und ihr Repertoire. Da gibt es den Trompeter, der alles nur anspielt: Hymnen, Filmmusiken, die Fanfare aus Verdis Aida, Werbejingles, Weihnachtslieder, aber nur die Refrains. Dabei sind Blasinstrumente in der Fußgängerzone gar nicht erlaubt. Da gibt es den feisten Ethno-Techno-Großvater mit dem Didgeridoo, das dynamische Goa-Trommel-Duo und die lateinamerikanische Familie mit den zwei Kleinkindern, deren Lieder medleyartig ineinanderfließen, sich im Kreis drehen, alle gleich klingen und stets mit »Mendocino« enden, wobei die beiden Teufelsbraten sich die Seele aus dem Leib brüllen: »MÄN-DO-SI-NO! MÄN-DO-SI-NO! MÄN-DO-SI-NO!« In meinen persönlichen Aversions-Charts rangiert die Familie recht weit vorn, doch den Spitzenplatz belegt unangefochten das Folk-Duo, das jeden Samstagmittag unter meinem Arbeitszimmer auftritt und mich mit windschiefen Coverversionen der Evergreens von Simon & Garfunkel schier um den Verstand singt. Das Duo besteht aus einem alten und einem jungen Mann. Vielleicht Vater und Sohn, Oberstudienrat und Streber oder Jedi und Jüngling? Eine offenkundig schwerhörige Person überschüttete die zwei am Ende eines Liedes mit Applaus und bewundernden Fragen. Stolz erklärte der Ältere der beiden, dass sie nicht wegen des Geldes in der Fußgängerzone auftreten, sondern aus Spaß. Aus Spaß, dachte ich entsetzt. Das ist gewiss eines der unwürdigsten und verabscheuungswürdigsten Motive. Hätte die blanke Not sie zur Klampfe greifen lassen und in die Fußgängerzone getrieben, hätte ich vielleicht noch einen Hauch Verständnis und etwas mehr Toleranz aufbringen können, doch seit dieser Antwort habe ich jede Achtung für die beiden verloren, was den samstäglichen Vortrag für mich noch schmerzvoller macht.

Mit der Straßenbahn nach Siegburg. Hinter dem Bahnhof beginnt die Fußgängerzone. Ich mag, wie sich der Kanal durch die Stadt schlängelt, und die Brücken über dem Graben. Ich laufe über den Platz am Amtsgericht und einem Eiswaffel-Aufsteller vorbei in das S-Carré mit seinen Stahlsäulen und dem Glasdachhimmel. Parkhaus, Optiker, Briefkästen. Krankenkasse, Fitnessstudio, Textilreinigung. Eine einzelne Skigondel steht im Außenbereich des Brauereiausschanks, dem Wahllokal der Siegburger Funken. Der Friseursalon und Barbershop gegenüber heißt »Hauptsachemann« und über der Eingangstür prangt die Aufschrift »einfachMÄNNLICH« und daneben die Warnung »Men’s only«. Ich laufe weiter und komme zu einem gepflasterten Platz mit einem großen kunstvoll gespannten Sonnensegel neben dem vollverglasten Sparkassengebäude und der bemoosten Stadtmauer. Das Ensemble wirkt wie eine Fata Morgana. Mittelalter trifft auf Legowelten und Scheichphantasien. Ich laufe einen Umweg durch die versteckteren Gassen vorbei an den Neubauten, der hübschen Stadtbibliothek, einem Asia-Supermarkt und dem Literaturcafé. Auf dem weitläufigen Marktplatz bleibe ich stehen und schaue zum Stadtmuseum, in dem ich vor vielen Jahren gelesen habe. Überragt wird der Platz von einer riesigen Siegessäule mit einer geflügelten Viktoria-Statue. Im Vorbeigehen lese ich die Sockel-Inschrift auf dem Kriegerdenkmal – »Ich steh‘ ohne Wanken den Tapferen zu danken« – und laufe an der Marktpassage vorbei in die Holzgasse. Nach wenigen Schritten stehe ich vor dem wunderschönen Fachwerkhaus, in dem sich die Buchhandlung R2 der Gebrüder Remmel befindet. Ich betrete die Buchhandlung und stöbere lange zu gut gelaunter Jazzmusik durch das Sortiment in den Regalen. In einem Fach entdecke ich auch meinen letzten Roman, was mich einerseits freut, gleichzeitig befürchten lässt, dass mein Buch ein Ladenhüter ist. Vergnügt verlasse ich nach einer Dreiviertelstunde die Buchhandlung. Ich bin unschlüssig, wohin ich als nächstes gehen soll, schaue mich um und steuere dann das Schaufenster mit der roten Markise und der Aufschrift »Liebe Dinge« an. In der Auslage liegen ebenfalls Bücher, allerdings gebrauchte. Dahinter befindet sich ein hübscher Aufsteller der Buchhandlung R2. »Zahl was du kannst« steht auf einem Schild im Schaufenster. In dem Raum gibt es eine kleine Bühne mit drei Stuhlreihen davor und zwei Regale mit gebrauchten Büchern an der Seite. Alle vierzehn Tage findet hier samstags eine offene Lesebühne statt, lese ich auf einem anderen Plakat im Schaufenster, samstags zwischen elf und dreizehn Uhr. Für die Veranstaltung bin ich leider eine Stunde zu spät dran, offenkundig auch am falschen Samstag. Ein Radfahrer mit einem orangefarbenen Fahrrad und einem weißen auffälligen Schriftzug auf dem Rahmen nähert sich mir langsam. Der Fahrer fährt unsicher und in Schlangenlinien und scheint nicht sehr geübt zu sein. Er ist vielleicht Anfang dreißig und trägt einen Vollbart. Sein Vorderrad berührt mich fast am Bein und der Fahrer entschuldigt sich. Kein Problem, antworte ich, gehe zur Ladentür und schaue durch die Scheiben ins Innere. An der Wand hängt eine Gedenktafel mit der Überschrift »SIEGBURGER GESCHICHTE«. Die Tafel gibt darüber Auskunft, dass sich der Aktionsraum im Elternhaus von Anna Remmel befindet, der Großmutter der Gebrüder Remmel, die die Buchhandlung nebenan betreiben. Der Text beginnt mit einem Zitat aus der »Kölnischen Rundschau«: »Und nur eine einzige Frau – Anna Remmel – kehrte aus dem KZ (Theresienstadt/Kleine Festung) zurück und wohnte bis zu ihrem Tod in Siegburg (Mühlenstraße 62 – heutiges Areal der Sparda-Bank). Sie starb 1982 im Alter von 82 Jahren.« Nachdenklich drehe ich mich um. Ich mag mir nicht ausmalen, welche Anstrengung und Überwindung es Anna Remmel gekostet hat, an diesen Ort zurückzukehren und ich verspüre in diesem Moment eine grenzenlose Dankbarkeit gegenüber ihren Enkeln, dass sie diesen Ort und diese Stadt heute mit Büchern, Literatur und Kultur beleben. Der Vollbart neben mir stößt sich mit einer Hand vom Schaufenster ab und rollt ungelenk auf seinem Rad durch die Fußgängerzone. Langsam nähert er sich einem Bekleidungsgeschäft für Damenmode. Er hält vor dem Angebotsständer mit den preisreduzierten Pelzjacken, schaut in die Boutique, »MODE DIE ANZIEHT«, nimmt zwei Bügel mit Jacken vom Ständer, legt sie sich über den Arm und holt mit dem Fuß Schwung. Er fährt los, biegt in die Unterführung unter dem roten Sparkassen-Logo ab und verschwindet auf seinem Rad mit den Jacken überm Arm. Ich schaue ihm hinterher, dann auf die Kleiderstange, dann wieder auf die Unterführung, in die er verschwunden ist, und erst in diesem Moment realisiere ich, dass ich gerade Zeuge eines Diebstahls geworden bin. Ich schaue mich um und weiß nicht, was ich tun soll. Ein Mann, der in einer Weinhandlung sitzt und den Vorgang durch das Fenster beobachtet hat, sieht mich ebenfalls unschlüssig an. Er stellt sein Glas ab, steht auf und tritt vor die Tür. »Hat der gerade vom Ständer da ein paar Jacken geklaut?«, fragt er mich. »Ja«, sage ich und nicke. »Schade«, antwortet der Mann, hätte er es gesehen, wäre er ihm hinterhergerannt. Es ist nicht vorwurfsvoll gemeint, und hilflos schauen wir uns an. »Ich gehe mal in den Laden und sag drinnen Bescheid«, sage ich. Der Mann nickt und kehrt in die Weinhandlung zurück. Zögernd laufe ich zur Boutique. Es sind keine Kunden im Geschäft und hinter dem Verkaufstresen steht eine einzelne Verkäuferin. Ich gehe zu ihr und sie lächelt mich an. »Entschuldigung«, sage ich, bleibe stehen und erzähle ihr, dass ich gerade gesehen habe, wie ein Mann zwei Jacken von den Ständern vor der Tür genommen hat und damit weggeradelt sei. Die Verkäuferin schaut mich entsetzt an. Sie erklärt, dass sie ganz allein im Laden sei und gerade noch eine Kundin beraten habe, mit ihr hinten an den Umkleidekabinen gewesen sei und den Ständer vor der Tür deshalb nicht im Auge gehabt habe, dabei mache ich ihr überhaupt keinen Vorwurf. Ich beschreibe ihr grob das Aussehen des Mannes und des Fahrrads. »Mit einem Korb vorne dran?«, fragt sie. Ich schüttele den Kopf und in diesem Moment fällt mir ein, dass auf dem Rahmen des Fahrrads der Name eines Restaurantlieferdienstes stand und dass das Rad höchstwahrscheinlich ebenfalls geklaut war. Die Verkäuferin und ich schauen uns an, und sie bedankt sich bei mir, dass ich ihr Bescheid gesagt habe. Ich könne mir gar nicht vorstellen, sagt sie, was sie schon alles in dem Laden erlebt hätte. Alte Frauen, die mit ihren Rollatoren in den Laden gerollt kämen, Kleidungsstücke einfach in den Korb ihres Rollators fallen lassen würden und dann ohne zu bezahlen mit den Sachen hinausrollen würden. Ich schaue sie an und nicke. Die Verkäuferin bedankt sich noch einmal bei mir, wir verabschieden uns, und ich kehre zurück in die Fußgängerzone.

Es ist einer der schönsten Momente, wenn sich das Licht wandelt, abends in der Dämmerung nach dem letzten Glockenspiel. Wenn die Scheinwerfer an den Häusern angehen und die Fassaden anstrahlen, während alle Fenster dunkel bleiben. Wenn die Namen-Jesu-Kirche sichtbar wird und bunt strahlt, während die Türme der Stiftskirche langsam im Abendhimmel verschwinden. Nur die Schaufenster leuchten noch und die Namensschilder der Geschäfte, weiß, gelb oder blau. »JACK & JONES«. »SONS«. »RUNNERS POINT«. In diesen Momenten kann ich mir keine schönere Fußgängerzone auf der Welt vorstellen.

















