Selfies ohne Selbst (XV)

Wachsmuthstraße , Berlin

Das SUKULTUR-Büro in Hermsdorf. An dem rechten Schreibtisch arbeitete Frank, an dem linken ich, abends stellte ich den Beistelltisch zur Seite und las und schlief auf dem blauen Klappsofa. Jahre später wird sich bei einem sintflutartigen Regenfall vor dem Erkerfenster rechts neben meinem Schreibtisch das Wasser stauen, nicht mehr abfließen, immer höher steigen und eine Dreiviertelstunde lang laut ins Büro strömen. In der Folge mussten fünfundzwanzigtausend Lesehefte evakuiert werden und unser Arbeitsplatz verwandelte sich für fünf Monate in eine Baustelle.

GOLD Volume 1 (25 Jahre SUKULTUR) || Soundcloud-Compilation

GOLD Volume 1 || (25 Jahre SUKULTUR)

ANJA KÜMMEL
1) Shell: Gold (Strähne für Strähne)

DANIEL KULLA
2) Classless Kulla & Max Volume: Passt auf euch auf (Lasterfahrer Party Mix)

MARIOLA BRILLOWSKA
3) Mariola Brillowska: EUROPA HYMNE

LINUS VOLKMANN 
4) Bum Khun Cha Youth: Eichhörnchen Im Erdnussfieber

WOLFGANG MÜLLER
5) Die Tödliche Doris: Acht-Jahres-Pause / Eight-Year Pause

DAVID WAGNER
6) Britta: Was alles fehlt

PAUL ANTON BANGEN/MARC DEGENS
7) Superschiff: Frauen mit Fehler

BDOLF
8) Pascal Bonnard: Gesinnungsprüfung (Pascal Bonnard feat. Bdolf)

THOMAS MEINECKE
9) F.S.K.: Fragen Der Philosophie (Völkerball)

KAAJA HOYDA
10) Stendal Blast: In diesem Sinne

GERALD FIEBIG
11) Gerald Fiebig — Water Music

THE SUKULTURS
12) The Sukulturs: S(u)KuLTuR (Südharzreise-Remix feat. DRadio Kultur)

Indiebookday 2020

Heute ist Indiebookday und da habe ich mir gleich zwei neue Comics gegönnt, die ich soeben bei Strips & Stories bestellt habe. Zum einen »Appropriate« von Gabrielle Bell, zum anderen »Ich fühl’s nicht« von Liv Strömquist. Es wird noch dauern, bis die Comics bei mir ankommen werden – die Wartezeit bis dahin verkürze ich mir mit der Lektüre früherer Werke dieser Ausnahmekünstlerinnen.

In der Lettrétage hätte heute zudem die Lesung von Sofie Lichtenstein und Sarah Berger stattfinden sollen, die gleichzeitig auch die Buchpremiere von Sarahs Buch »bitte öffnet den Vorhang« gewesen wäre, der als zweiter Band in der von mir herausgegebenen Reihe für Autofiktionen »Sonnenbrand« erschienen ist. Dazu ein Gedanke, den ich in letzter Zeit oft habe: Wir leben in einer Zeit intensiver Verteilungskämpfe, es geht um Deutungshoheiten, Sichtbarkeit, Gehörtwerden, Präsenz und Macht. Die Texte von Frauen, Zugewanderten, People of Color, Queers oder Transgender zeichnen sich dabei durch eine besondere Relevanz aus. Als männlicher Autor lerne ich viel aus den Büchern von Chris Kraus oder Virginie Despentes. Von der Vehemenz von Hengameh Yaghoobifarah, von der Klugheit Mithu Sanyals, der drängend-quälenden Radikalität von Sarah Berger, Margarete Stokowski oder Sibel Schick. Die Texte verunsichern mich und machen mir Angst. Heftigere Gefühle kann Literatur nicht auslösen.

Übrigens: Heute um 19 Uhr liest Sibel Schick auf Ihrem Instagram-Kanal aus »Deutschland schafft sich ab«.

Im Un- und Hintergrund Revisited