Ziegel #17

Morgen ist der offizielle Erscheinungstermin des neuen ZIEGEL. Die siebzehnte Ausgabe des Hamburger Jahrbuchs für Literatur, herausgegeben von Antje Flemming und Jürgen Abel, illustriert von Sascha Hommer und erschienen im Mairisch Verlag, ist randvoll gefüllt mit Erzählungen, Gedichten, Kurzdramen und Comics von u.a. Nefeli Kavouras, Karen Köhler, Roberta Schneider, Claudia Schumacher, Johanna Sebauer, Leonhard Hieronymi, Anselm Neft, Alexander Posch u.v.a.m.

Die Anthologie enthält auch einen Auszug meines neuen, noch in Arbeit befindlichen Romans, dessen Arbeit ich exakt heute vor fünf Jahren in Toronto begonnen habe.

Die Arbeit ist immer noch nicht abgeschlossen und das Manuskript inzwischen dicker als der Ziegel.

Bob-Horror

Edgardo kommt mit vier neuen Bieren zum Tisch und reicht mir das Ückendorfer. Genoveva, Suuk-Yin, Edgardo und ich stoßen miteinander an.

Wie hat euch eigentlich die dritte Staffel von Twin Peaks gefallen, fragt Edgardo.

Super, antwortet Genoveva. Es gab zwar einige Längen und Durchhänger, etwa bei den Szenen mit Dougie Jones und mit Audrey, dafür aber auch etliche geile, abgefahrene Momente und unglaublich viele brillante Ideen und Szenen.

Absolut genial war ja die Folge acht, sagt Suuk-Yin, das war ein richtiger, in sich abgeschlossener Spielfilm. Mit echtem Bob-Horror, Nine Inch Nails und diesem langen surrealen Bildertrip zu der Penderecki-Musik.

Threnody for the Victims of Hiroshima, sagt Genoveva.

Edgardo nickt.

Wie das Ende von Stanley Kubricks Zweitausendeins, sage ich.

Absolut, stimmt Edgardo mir zu.

Die Staffel war auch ganz anders, als ich erwartet hatte, meint Suuk-Yin. Und das ist natürlich das Beste, wenn ich als Zuschauerin wirklich überrascht werde.

MEAN-MEAN-MEAN-MEAN-GIRL. Nach dem grauenhaften Lied folgt jetzt ein noch grauenhafteres Lied von Oasis.

Das ist wieder diese üble Playlist, sagt Edgardo gequält. The Worst Of The Best.

Ja, furchtbar, sagt Suuk-Yin.

Fantastisch war ja auch das Ende von Twin Peaks, fährt Genoveva fort. Besonders die vorletzte Folge, und wie es Lynch geschafft hat, den Mythos weiterzuspinnen und zu vollenden.

Parallel zum Seriengucken habe ich mir auch immer die Youtube-Filme von Pete Peppers angeschaut, sage ich. Kennt ihr die?

Natürlich, antwortet Genoveva. Das war überhaupt das Geilste. Dieses tagelange Mitspekulieren nach jeder ausgestrahlten Folge. Was bedeutet das alles?

Und wie geht es weiter, sagt Suuk-Yin.

Und das Suchen und Finden der Easter Eggs, ergänze ich.

Total, antwortet Genoveva.

Schade, meint Edgardo, dass man eine solche Komplexität nicht in Comicform schaffen kann. Denn dafür reicht eine einzelne Graphic Novel nicht aus.

Aber das gibt es doch schon längst, protestiert Suuk-Yin. Etwa bei Calvin und Hobbes. Oder Donald Duck von Carl Barks.

Oder Corto Maltese, sagt Genoveva

Und vielen Superheldencomics, sage ich.

Edgardo hebt die Hände und ergibt sich.

Stimmt, sagt er und greift sein Bier. Ihr habt natürlich recht.

Die Tür geht auf und Vlad betritt das Sadie. Er läuft breit grinsend zu unserem Tisch und stellt seinen Gambenkoffer an die Wand.

Soeben habe ich beschlossen, sagt er stolz, meinen neuen Comic nicht als Heft, sondern als Fidget Spinner zu veröffentlichen.

Geile Idee, sage ich und greife mein Ückendorfer.

(Erstveröffentlicht anlässlich der 200. cinemania-Ausgabe von Thomas Vorwerk auf satt.org.)