Nottbeck City Limits

Zurück aufs Rittergut, Kulturgut
Ein kleines Idyll
Maßanfertigungen für Millionen
Alte Strukturen erhalten
Die erste aller Welten
Hier ist der Westen
MUFF POTTER

In der Nacht Mückenkampf. Ich schlafe mit Ohrstöpseln und Schlafbrille, trotzdem höre ich die Mücken um mein Ohr schwirren. Immer wieder mache ich das Licht an und begebe mich auf die Jagd, erledige allerdings erst am frühen Morgen zwei Viecher, die dicke rote Flecken mit meinem Blut an der frisch geweißten Wand hinterlassen. Sie erfüllen mich mit Scham, gleichzeitig mit Jagdstolz. Nachdem ich wieder eingeschlafen bin, werde ich um 8 Uhr wach und gehe nach unten in die Café-Küche, um Kaffee zuzubereiten. Vor der Kaffeemaschine treffe ich Bianca Boer, eine niederländische Dichterin und Autorin, die in dieser Woche auf dem Kulturgut residiert und gestern Abend ihren Roman hier beendet hat. Sie ist dementsprechend euphorisiert, will auch am Abend noch bei meiner Lesung dabei sein und direkt im Anschluss mit dem Auto nach Rotterdam zurückfahren.

Müsli-Frühstück im leeren Café. Im Foyer des Kulturguts entdecke ich neben einer Stellwand mit ausgewählten Publikationen weitere Informationen zum Kulturgut Haus Nottbeck: »Die Geschichte dieser alten Wasserburg reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück: In einer Urkunde vom 23. April 1366 wird das ›gud te Nuttbeke‹ erstmals erwähnt. Seit dem 15. Jahrhundert befand sich das Gut im Besitz der Adelsfamilie von Oer. Mit ihr durchlebte Nottbeck eine 300-jährige Blütezeit. Um 1800 wurde das eindrucksvolle Herrenhaus im klassizistischen Stil neu errichtet, in dem sich heute das Museum für Westfälische Literatur befindet. Ins wirkliche Rampenlicht geriet das Anwesen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als das Haus Nottbeck Amtssitz von Clemens Wenzeslaus von Oer wurde, Landrat des damaligen Kreises Beckum. Seine Söhne machten sich einen überregionalen Ruf als Künstler – Maximilian Josef von Oer als Schriftsteller und Theobald von Oer als bildender Künstler. Von letzterem können einige besonders eindrucksvolle Werke im nahegelegenen Museum Abtei Liesborn bewundert werden.«

Um kurz nach halb elf fahren Alexandra und ich mit dem Leihwagen zum Vier-Jahreszeiten-Park in Oelde. Google dirigiert mich zum vollen Parkplatz am Ein- und Ausgang STADTMITTE. Auf dem Parkplatz gibt es nur einen freien Parkplatz. Eigentlich anderthalb, denn der Škoda rechts von mir steht genau in der Mitte von zwei Parkplätzen. Hinter dem Lenkrad sitzt eine Frau und telefoniert. Schlecht fahre ich in die vorgezeichnete Lücke und stehe zu eng am links neben mir parkenden Kia. Ich lasse Alexandra aussteigen und wiederhole das Manöver, das mir erneut nicht wie gewünscht gelingt. Ich steige aus, betrachte frustriert das Ergebnis und schimpfe innerlich auf die telefonierende Frau in dem Auto. Mit dem Funkschlüssel verriegle ich das Fahrzeug, ziehe mein iPhone aus der Hosentasche und mache ein Foto von der Parklücke mit dem Mietwagen und dem Kia, dann noch eins, etwas weniger auffällig, von dem Leihwagen und dem Škoda. Als ich mein iPhone wegstecke, öffnet sich die Tür des Škodas und die Frau springt hinter mir aus dem Wagen. »Warum haben Sie mein Auto fotografiert?«, schreit sie wütend. Ich bin entsetzt über die Reaktion der Frau. Einerseits fühle ich mich ertappt, andererseits finde ich das Verhalten der Frau übertrieben und unangemessen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, und denke viel zu lange nach. Am Ende streite ich den Vorwurf ab. »Doch, ich habe es genau gesehen«, ruft die Frau pikiert. »Also warum haben Sie mein Auto fotografiert?«

Fieberhaft denke ich nach, ohne Ergebnis. Ich schaue mich hilfesuchend um. Schließlich erkläre ich kleinlaut, dass ich Blogger sei und meinen Alltag dokumentiere. Die Frau starrt mich zunächst überrascht, dann voller Abscheu an. Ich löse mich aus meiner Starre, laufe zu Alexandra und eile mit ihr davon. Nach ein paar Metern schaue ich mich um und sehe erleichtert, dass die Frau zurück in den Škoda steigt. Schweigend laufen Alexandra und ich nebeneinander. Die Begegnung hat mir zugesetzt. Ich habe Angst, dass sich die Frau rächt und den Leihwagen beschädigt, gleichzeitig ärgere ich mich über meine strunzdumme Antwort. Ich hätte mich bei der Frau sofort entschuldigen und das Foto löschen und ihr sagen sollen, dass ich Tagebuch schreibe, in dem ich auch meinen missglückten Einparkversuch thematisieren wolle, und das Foto gemacht habe, um mich später an die Situation zu erinnern. Diese Antwort erschien mir in dem Moment allerdings falsch, da ich wusste, dass ich gelöschte Fotos aus dem Papierkorb dreißig Tage lang hätte wiederherstellen können, und vermutete, dass die Frau das ebenfalls wusste.

Am Haupteingang kaufen Alexandra und ich Tickets für den Park. Neben dem Kassenhäuschen macht ein Aufsteller Werbung für das Konzert des Luftwaffen-Musikkorps Münster, das heute auf der Sparkassen-Waldbühne mit dem Solisten Andreas Degenkolbe auftreten wird. Die direkte Konkurrenz für meine Lesung abends im Kulturgut. Die Menschen in Oelde und Umgebung müssen sich also entscheiden: Degenkolbe oder Degens? Direkt hinter dem Eingang befindet sich das Parkbad, dessen Besuch in unserer Eintrittskarte enthalten ist. Wir laufen durch das große und gepflegte Freibad mit sechs 50-Meter-Bahnen, einer breiten blauen Wellenrutsche und einem fünf Meter hohen Sprungturm. Obwohl es August ist, ist das Freibad nur mäßig besucht und die Schwimmer können allein oder maximal zu zweit ihre Bahnen ziehen. Was für paradiesische Zustände! Als Oelder würde ich mir sofort eine Jahreskarte zulegen.

Am Mühlensee entlang laufen wir zum Waldspielplatz und sind begeistert von den hundertwasserartig geformten und bemalten Holzhüttentürmen, die durch röhren- und kugelförmige Stahltunnel miteinander verbunden sind. WALDSCHÄNKE. SCHULE. DOKTOR FLÜGELBRUCH. Auch das Innere der Türme ist liebevoll ausgestattet mit bunten, angeleimten oder angeketteten Gerätschaften aus Holz und Stahl. Vergnügt spazieren wir weiter. Plötzlich taucht hinter einem hohen Drahtzaun ein Großer Emu auf. Es ist ein imposantes, furchteinflößendes Exemplar. Wir haben die Erlebnisfarm erreicht. Die Sonne scheint, es ist Freitagmittag, trotzdem sind wir die einzigen Besucher im Zoo, was wir gar nicht glauben können. Begeistert laufen wir durch den Tierpark mit Ziegen, Eseln, drolligen Hühnern, flauschigen Riesenkaninchen und sich faul im Schatten fläzenden Kängurus. Anschließend schlendern wir zur Museninsel mit den Vogelvolieren und beobachten zwei ältere Männer in Shorts und kurzen Hemden dabei, wie sie das Spielfloß benutzen und sich mit einem Seil heiter über den Mühlensee ziehen. Wir warten ab, bis die Männer verschwunden sind, dann entern wir das Floß und schippern hin und her.

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Nachdem wir die Museninsel verlassen haben, schlendern wir am Blumenfeld, dem Café, der Spielburg und Burgwiese vorbei zu den vier urig konstruierten und bemalten Picknickhütten, die man für zwanzig Euro am Tag mieten kann, und schauen neugierig durch die Fenster in das helle Innere der abschließbaren Bauten, die mit Sitzbänken, Mülltonnen, Besen und Kehrblechen ausgestattet sind. Danach verlassen wir den Park und kehren zurück zum Auto. Erleichtert stelle ich fest, dass unser Mietwagen unversehrt ist und sich die Škodafahrerin nicht für mein Verhalten an unserem Auto gerächt hat und laufe mit Alexandra hungrig weiter in die Oelder Innenstadt. Wir halten Ausschau nach einer attraktiv aussehenden Imbissmöglichkeit, finden aber keine, stoßen dafür aber unterwegs vor der Volksbank auf eine plexiglasartige Skulptur eines Baumes, die wie ein eingeschlagenes Schaufenster aussieht, und später auf ein Bronzerelief am Geburtshaus von Albert Coppenrath.

IN DIESEM HAUS WURDE
DER
WESTFÄLISCHE DICKSCHÄDEL
PRÄLAT
ALBERT COPPENRATH
AM 19.2.1883 GEBOREN
SEIN VORBILD
WIRKE WEITER

Auf Wikipedia lese ich später, dass Coppenrath »ein deutscher römisch-katholischer Priester und Autor [war], der als Pfarrer in Berlin-Schöneberg wegen seiner kritischen sonntäglichen Kanzelvermeldungen zur Zeit des Nationalsozialismus als ›westfälischer Dickkopf vom Winterfeldtplatz‹ bekannt wurde.« Am Ende unserer Wanderung kaufen wir in der Bäckerei vor Netto zwei belegte Brötchen, verputzen sie vor Ort und laufen zum Parkplatz zurück. Gegen 14 Uhr sind wir wieder im Kulturgut, wo uns Notti auf der Brücke empfängt. Dass Notti bereits einen Namen hat, erfahre ich einen Tag später durch einen Post auf dem Instagram-Kanal vom Literaturmuseum Haus Nottbeck: »Wir haben einen neuen Gast bekommen 🥰. Unsere Gans ist dieses Jahr geboren und getauft wurde sie von uns mit dem Namen Gerda. Seit März diesen Jahres leistet Gerda uns tagtäglich Gesellschaft und erkundet fleißig den Außenbereich des Kulturguts 🏡. Ihre Geschwister sind bereits weggeflogen, doch Gerda musste gezwungenermaßen hierbleiben. Denn das besondere an Gerda ist ihr Gendefekt, der sie leider flugunfähig macht. Diese Fehlbildung nennt sich Kippflügel, bei der die äußeren großen Federn des Flügels so verdreht sind, dass die Konturfedern, die den überwiegenden Teil des äußerlich sichtbaren Federkleids bilden, bewegungslos nach außen abstehen. Dank unseres milden Klimas können Gänse aber auch das ganze Jahr über in ihren Brutgebieten verweilen, von daher wird es Gerda hier auf keinen Fall schlecht gehen und sie kann euch das ganze Jahr über begrüßen 😊. (c) Victoria Vennemann«

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Ausruhen auf dem Zimmer. Um kurz nach vier kommt Stefan im Kulturgut an, der Leiter des Literaturmuseums und Geschäftsführer der Literaturkommission des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, der mich zur Lesung eingeladen hat und sie auch moderieren wird. Alexandra und ich gehen nach unten und begrüßen Stefan, den wir bereits aus Kanada kennen, als er als DAAD Associate Professor of German Studies in Alberta an der University of Calgary unterrichtet hat. Bianca gesellt sich zu uns und ich koche Kaffee. Zu viert sitzen wir zusammen am Tisch und ich frage Bianca nach A.F.Th. van der Heijden aus, meinem niederländischen Lieblingsautor, außerdem möchte ich mehr über die Literaturförderung in den Niederlanden wissen und erkundige mich, ob es noch das Boekenweekgeschenk gibt, eine jährliche, exklusiv geschriebene Buchausgabe, die seit 1932 im Rahmen der niederländischen Bücherwoche in gewaltigen Auflagen kostenlos an Kunden verschenkt wird. 1992 hatte A.F.Th. van der Heijden die Novelle »Weerborstels« (Der Widerborst) als Buchwochengeschenk verfasst, als Intermezzo seines von mir bewunderten Romanzyklus »Die zahnlose Zeit«, und 2010 betrug die Auflage des Buchwochengeschenks eine Million Exemplare – eine ungeheure Zahl angesichts der niederländischen Gesamtbevölkerung von 16,62 Millionen Menschen. Bianca nickt und erzählt, dass sie den Roman, den sie gestern Abend beendet und vorhin noch überarbeitet hat, als Beitrag für den nächsten Wettbewerb um das Boekenweekgeschenk einreichen wird. Wir alle wünschen ihr viel Glück und drücken ihr die Daumen.

Alsdann frage ich Bianca nach einem Foto auf ihrem Instagramkanal, das sie als Rednerin bei einem Begräbnis in Rotterdam zeigt, woraufhin sie von der Arbeit der Initiative »de Eenzame Uitvaart Rotterdam« (dEUR) erzählt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einsam verstorbenen Menschen der Stadt, die begraben oder eingeäschert werden sollen und keine Angehörigen, Freunde oder Bekannte haben, einen würdevollen Abschied zu bereiten. Aus diesem Grund werden Dichterinnen und Dichter eingeladen, sich mit dem Leben der Verstorbenen auseinanderzusetzen und für diese konkret ein Gedicht zu verfassen, das dann am Grab oder Sarg von diesen vorgetragen wird. Bei den Toten handelt es sich um Obdachlose, Junkies, Alkoholiker, illegale Einwanderer und Opfer von Gewaltverbrechen, vor allen Dingen aber um ältere Stadtbewohner. Die Idee berührt mich. Sie geht zurück auf den 1966 geborenen Dichter Bartelomeus Frederik Maria (Bart FM) Droog, der das Konzept als Stadtdichter von Groningen 2002 entwickelt hat. Inzwischen gibt es zahlreiche Ableger in niederländischen und flämischen Städten wie Amsterdam, Löwen, Den Haag oder Utrecht, und eine Auswahl der verfassten Gedichte mitsamt Beschreibungen der Bestattungen erschien bereits 2016 auf Deutsch in der Wiener Edition Korrespondenzen unter dem Titel »Das einsame Begräbnis«.

Im Anschluss an das Kaffeetrinken führt uns Stefan durch das Museum im Haupthaus. Zuerst schauen wir uns die Comic-Sonderausstellung ZOK ROARR WUMM – COMICS IN WESTFALEN an. Sie ist klein, kompakt, interaktiv und wird äußerst liebevoll präsentiert. Stefan tritt an die Glasvitrine in der Mitte des Ausstellungsraums mit Tradingcards, einer MICKY-MAUS-KLUB-Fahne, Geldscheinen aus dem Walt Disney World Resort aus Florida, einer Disney-Spielzeugfigur und Aufnähern, Anstecknadeln und Orden der D.O.N.A.L.D.

Aus der Comicsammlung von Schriftsteller Marc Degens
Objekte aus den Jahren 1978 – 2007

Beim Blick in die Vitrine verspüre ich mehr Scham als Stolz, da mir die Dinge einerseits recht banal, andererseits in dem großen Schaukasten etwas verloren vorkommen. Als nächstes folgen wir Stefan durch das Gebäude, wo er uns die von Walter Gödden stammende Dauerausstellung des Museums zeigt, die mich enorm beeindruckt. Auch sie ist nicht riesig, aber vollgepackt mit Informationen und außergewöhnlichen Exponaten. Ich mache ein Foto von dem herrlich pennälerhaft wirkenden DIY-Umschlag des Peter-Zille-Buchs von Else Lasker-Schüler, das 1919 bei Paul Cassirer in Berlin erschienen ist, danach bestaune ich die ausgestellten Streichholzschachteln mit den aufgeklebten Miniaturgedichten von Ulrich und Ilse Straeter. ZÜND-ART. Stefan führt uns in die obere Etage des Gebäudes. Es ist ein gemütlicher Raum, der mich vermutlich wegen des Teppichbodens und der Dachschrägen an mein altes Kinderzimmer erinnert. Verstreut im Raum befinden sich mehrere Sitzwürfel, die an den Seiten mit Zitaten von Autorinnen und Autoren bedruckt sind. Alexandra muss nicht lange suchen, bis sie eine Würfelseite mit einem Zitat von mir gefunden hat. Auch dieses Zitat löst in mir zwiespältige Gefühle aus. Am liebsten möchte ich den Würfel umdrehen und verstecken oder klauen und meinem Archiv einverleiben.

Ich möchte
gern Leuten
 Kultur näher
 bringen.
Marc Degens
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Um 18 Uhr 15 zurück im Zimmer. In Ruhe gehe ich noch einmal meine Unterlagen durch, bis ich höre, dass ein Auto vor dem Tor hält. Kurze Zeit später betreten Patrick und Charlotte in Begleitung von Dirk das Kulturgut. Freudig eile ich nach unten und begrüße die zwei im Hof. Stefan und Dirk hatten mir zwar bereits vor ein paar Tagen mitgeteilt, dass sich Patrick als Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Lesung angekündigt hatte, aber erst jetzt wo Charlotte und er leibhaftig vor mir stehen, kann ich glauben, dass er die 150 Kilometer von Köln nach Nottbeck für die Veranstaltung tatsächlich zurückgelegt hat – und Charlotte sogar aus dem 400 Kilometer entfernten Berlin angereist kam. Kurzer Plausch, dann bietet Dirk an, den beiden die Ausstellung zu zeigen. Die drei verschwinden im Haupthaus. Ich laufe zurück in mein Zimmer und packe meinen Rucksack. Meine Vorfreude auf die Lesung steigt im gleichen Maße wie meine Nervosität. Leider sind im Vorverkauf kaum Eintrittskarten abgesetzt worden. Als ich kurz vor der Lesung nach draußen und zum Gartenhaus gehe, kann ich das Publikum mit beiden Händen abzählen. Charlotte und Patrick kommen aus der Ausstellung, ich geselle mich zu ihnen und Patrick spricht mich auf meine Micky-Maus-Klub-Fahne und den Fahrradwimpel an. Ich antworte zunächst ausweichend, doch dann, während wir die riesige Rasenfläche vor dem Gartenhaus umrunden, schütte ich mein Herz aus und beichte eine der schrecklichsten Taten meines Lebens.

Ich erzähle von dem sympathischen Nachbarn, der in dem ersten Stock des Borbecker Miethauses wohnte, in dem auch meine Eltern und ich damals lebten. Er mochte mich, war etwas älter als meine Eltern und schenkte mir oft Comichefte. Er selbst las gern Comics und sein Stolz war eine prachtvoll gebundene Ausgabe der »Micky Maus«-Hefte aus den letzten zwölf oder fünfzehn Jahren, die er in der Schrankwand in seinem Wohnzimmer präsentierte. Zwei dicke Bücher pro Jahrgang, insgesamt weit über tausend Hefte, in Leinen gebunden, mit goldenem Prägeaufdruck, komplett und in tadellosem Zustand. Wenn ich bei ihm war, durfte ich in den »Micky Maus«-Büchern blättern. Ihm gefiel, wie sorgsam ich mit seinem Schatz umging, und als er in meinen Schulferien für ein paar Wochen in den Urlaub reiste, erlaubte er sogar, dass ich die Bände mit zu mir nach oben in mein Kinderzimmer nehme, um sie systematisch zu lesen. Ich fing sofort mit der Lektüre an, widmete mich von morgens bis abends den Comics, konnte endlich alle Fortsetzungen am Stück und ohne Lücken lesen, hatte eine wundervolle Zeit und wahrscheinlich die besten Ferien meines Lebens.

Als sie sich dem Ende neigten und die Rückkehr unseres Nachbars kurz bevorstand, hatte ich einen schrecklichen Einfall. Ich wusste sogleich, dass die Idee falsch war, trotzdem gelang es mir nicht, den Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben. Die Versuchung war einfach zu groß, denn da die gebundenen Comics in den Bänden tatsächlich makellos waren, gab es in jedem Heft auch noch die Seiten mit den Sammel-Schnipps-Ecken, die man ausschneiden, an den Verlag schicken und gegen Mitmach-Poster, Fahrradwimpel oder Fahnen aus dem Micky-Maus-Klub eintauschen konnte. 26 Schnipps pro Halbjahr, 260 Schnipps bei zehn Bänden. Würde ich sämtliche Schnipps ausschneiden, wäre ich reich und könnte im Micky-Maus-Klub vieles sogar mehrfach ordern.

Über meiner Schulter stritten zwei Wesen wie in den alten Donald-Duck-Zeichentrickfilmen. Auf der einen Seite ein feuerroter Teufel mit Hörnern und Dreizack, auf der anderen Seite ein himmelblauer Engel mit Flügeln und Heiligenschein. Die Argumente flogen wie Tennisbälle hin und her. DAS SEI EINE EINMALIGE GELEGENHEIT, DIE ICH MIR NIEMALS ENTGEHEN LASSEN DÜRFE … ICH KÖNNE UNSEREN NACHBARN JA FRAGEN, OB ICH DIE SCHNIPPS AUSSCHNEIDEN DÜRFE … ER WÜRDE ES NIEMALS ZULASSEN, JEDOCH DAS FEHLEN GARANTIERT NICHT BEMERKEN! Wie in den Cartoons siegte naturgemäß der Teufel und also trat ich samstagsabends frisch gebadet und mit einer Schere bewaffnet in mein Kinderzimmer und schnitt aus den Comicbüchern unseres Nachbars den ersten Schnipps aus, dann noch einen und am Ende so gut wie alle. Es war eine Art Rausch. Um mich herum auf dem Teppichboden lagen hinterher Aberhunderte ausgeschnittener Heftecken mit Micky Maus‘ lachendem Konterfei. Ich war reich, gleichzeitig fühlte ich mich elend und hilflos wie bei einem Spaziergang am Meer nach einer Tankerkatastrophe an einer ölverseuchten Küste mit Scharen von Wasservögeln, deren Gefieder verklebt waren und daran qualvoll zugrunde gingen.

Am nächsten Tag kehrte unser Nachbar aus dem Urlaub zurück und in der folgenden Woche geschah die Rückgabe der Bücher. Meine Eltern halfen mir mit, die Comicbücher nach unten zu tragen. Wir stapelten sie auf dem Glastisch in seinem Wohnzimmer und am liebsten wäre ich sofort wieder nach oben geeilt, doch unser Nachbar lud meine Eltern und mich zum Bleiben ein, lief in die Küche und kam mit Getränken und Gläsern zurück. Wir setzten uns auf die Couch, unser Nachbar schenkte ein und erzählte dabei von seiner Urlaubsreise. Nachdem auch er sich gesetzt hatte, strich er zärtlich mit der Hand über den Einband eines Comicbandes. Ich wurde immer nervöser. Schließlich nahm er das oberste Buch in die Hand, schlug es auf, lächelte, blätterte die Seite um und stutzte. Ungläubig blätterte er ein paar Seiten weiter und erschrak erneut. Verstört nahm er den nächsten Band vom Stapel, blätterte und erkannte auch hier auf Anhieb, dass alle Schnipps-Ecken in dem Buch fehlten. Sein Redefluss stoppte und sein Blick wurde glasig. Ich sah, wie geschockt er war. In meinen Augen sammelten sich Tränen. Ich hatte unserem Nachbarn das Herz gebrochen! Mein Stiefvater sagte irgendetwas Belangloses. Mein Plan war es gewesen, im Fall einer Entdeckung, alles abzustreiten, doch dazu wäre ich in diesem Moment niemals in der Lage gewesen. Hätte er mich angeschaut, hätte ich sofort losgeheult. Doch er schaute mich nicht an. Er machte mir auch keine Vorwürfe und schimpfte und brüllte. Er sagte auch kein Wort zu meinen Eltern. Kurz danach geleitete er uns stumm und schwankend zur Wohnungstür. Von da an ging ich unserem Nachbarn aus dem Weg. Ein halbes Jahr später zogen wir aus und fort und allein der Umstand, dass ich meinem Nachbarn nicht mehr begegnen musste, dämpfte ein wenig meinen Abschiedsschmerz.

Pünktlich um 19 Uhr 30 beginnt die Lesung. Stefan stellt mich vor, erzählt etwas zu meinem schriftstellerischen Werdegang und kommt dabei auf meine Comicleidenschaft zu sprechen. Passend dazu lese ich als ersten Text die Erzählung »Bühabo« aus »Auf Sendung« vor. Im Anschluss stellt Stefan mir Fragen zu den Anfängen meiner Comicsammelleidenschaft, zum Micky-Maus-Klub und zur D.O.N.A.L.D. Die Befragung macht mir Spaß und ich bemühe mich um möglichst knappe und kurzweilige Antworten. Stefan spricht mich auf meine germanistische Magisterarbeit DONALD DUCK UND DIE DICHTER an, die ich vor 25 Jahren geschrieben habe, und fragt nach deren Inhalt. Ich kann mich nur noch bruchstückhaft erinnern und referiere grob die Thesen. Stefan bohrt nach und möchte wissen, in welchem von mir im Gespräch erwähnten deutschsprachigen Roman aus den achtziger Jahren ein Donaldist Protagonist sei. Mir fallen weder der Titel noch der Name der Autorin ein, ich bitte das Publikum um Hilfe und schaue in ratlose Gesichter. Zum Glück weiß Patrick die Antwort und erklärt, dass es sich dabei natürlich um den Millionenbestseller »Beim nächsten Mann wird alles anders« von Eva Heller handle. Danach leitet Stefan zu meinem aktuellen Romanprojekt über, das zwischen 2015 und 2018 an einer fiktiven Comic-Akademie im Ruhrgebiet spielt. Kurz stelle ich Marthe, die Hauptfigur, und die wichtigsten Handlungsorte vor und lese einen Ausschnitt aus dem Manuskript, der in meinen Ohren gut den Sound und die unbeschwerte Euphorie zu Anfang meines Romans wiedergibt.

Im Anschluss ist Pause. Ich bleibe an meinem Platz sitzen, während das Publikum das Gartenhaus verlässt und nach draußen schlendert. Die Reporterin der Lokalzeitung »Die Glocke« kommt zu mir und stellt Fragen zum ersten Teil meiner Lesung. Meine Antworten und die Titel meiner letzten beiden Romane notiert sie in ihrem Ringheft. Dann geht auch sie nach draußen. Bianca kehrt ins Gartenhaus zurück. Sie hat ihre Jacke angezogen, tritt zu mir, um sich zu verabschieden, und schlägt einen Büchertausch vor. Erfreut stimme ich zu und sie überreicht mir ein gebundenes Exemplar ihres ersten ins Deutsche übersetzten Buches. Bianca Boer. Fester Boden. Gedichte. Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens. Ich drehe das Buch um und lese die erste Zeile des auf der Rückseite abgedruckten Gedichtes.

Bianca und ich gehen zur Fensterbank, auf der meine mitgebrachten Bücher ausliegen. Ich überlege lange, welches Buch ich ihr mitgeben möchte. Am Ende entscheide ich mich für »Das kaputte Knie Gottes«, den ersten der so genannten Bo-Romane, in denen ich über junge Menschen am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn schreibe, in diesem Fall über die Freundschaft eines Bildhauers und eines Schriftstellers aus Bochum. Sollte ihr der Roman gefallen, sage ich zu Bianca, könne sie ja fortfahren und meinen Progrock-Roman »Fuckin Sushi« und den hoffentlich bald erscheinenden Comic-Roman lesen. Wir umarmen uns, ich wünsche ihr eine gute und schnelle Heimfahrt nach Rotterdam, dann verlässt Bianca das Gartenhaus. Ich schaue ihr nach, dann lese ich die letzte Zeile des auf der Rückseite abgedruckten Gedichtes, die genau so schön ist wie die erste.

Die ersten Zuhörerinnen kehren ins Gartenhaus zurück. Nachdem sich alle wieder eingefunden haben, setzt Stefan das Programm fort. Der zweite Teil beginnt mit einer weiteren Fragerunde. Stefan möchte wissen, ob es Comic-Akademien wie in meinem Roman tatsächlich gibt oder geben sollte, und fragt nach der Bedeutung des Schauplatzes Essen und des Ruhrgebietes. Ich erzähle, dass all meine Romane in meiner Heimat spielen, einerseits selbstständig und eigenen Gesetzen unterworfen sind, gleichzeitig aber aufeinander verweisen und sich berühren, ungefähr so wie das Ruhrgebiet, dass ja keine Metropole ist, sondern ein Rhizom mit einer vernetzten Struktur ohne Mitte. Aus diesem Grund glaube ich, dass sich das Ruhrgebiet in meinen Romanen weniger im Inhalt, als vielmehr in der Form widerspiegle. Bislang gebe es noch keine Comic-Akademie in Essen, erkläre ich, aber es sollte sie meiner Meinung nach geben. Ich erzähle, dass ich mich noch lebhaft an die Diskussionen vor knapp zehn Jahren erinnern kann, in denen gefragt wurde, an welchem Standort in Nordrhein-Westfalen der Studiengang »Literarisches Schreiben« angesiedelt werden sollte … Ich hätte mich für das Ruhrgebiet und Essen stark gemacht, vorzugsweise im günstigen Norden, in Altenessen, Katernberg oder Stoppenberg. Die Entscheidung für die Kunsthochschule für Medien Köln als Standort hatte mich später enttäuscht, da ich die Domstadt eh schon als zu voll und als zu teuer wahrgenommen habe. Vom Standort Essen hätten in meinen Augen dagegen alle profitiert. Die Stadtviertel von dem kreativen Input, die Geldbeutel der Studierenden durch die verhältnismäßig preiswerten Mieten und die neu entstandenen Texte durch die Welthaltigkeit der auf der Straße liegenden Themen. Ich will auch noch auf die Kessler-Debatte eingehen, die ungefähr zur gleichen hochgekocht war, und in dem der Hildesheim-Absolvent seinen an den Schreibuniversitäten mitstudierenden Ärztesöhnen und Lehrertöchtern Biederkeit und bürgerliche Langeweile vorgeworfen hatte, verfranse mich aber gedanklich und breche den Versuch nach anderthalb Sätzen ab.

Stefan fragt nach dem Titel meines Romans und ich antworte, dass sich »Verführung der Unschuldigen« von dem Buch »Seduction of the Innocent« des deutsch-amerikanischen Psychiaters Fredric Wertham ableite, der 1895 als Friedrich Ignatz Wertheimer in Nürnberg geboren wurde. Wertham war ein konservativer Populist, dessen Thesen in der McCarthy-Ära enorm einflussreich waren, und der in seinem 1954 veröffentlichten Buch die Schädlichkeit von Comics nachzuweisen versuchte und darin Comicproduzenten mit sadistischen Vampiren verglich. Seine Thesen führten tatsächlich zu einer Selbstzensur der amerikanischen Comicindustrie, die über fünfzig Jahre lang andauerte. Auch in meinem Werk gehe es um eine Art Vampirismus, erkläre ich, und zwar um einen Plagiatsskandal, der im Comicmilieu spiele. Stefan erkundigt sich nach dem Stand meines Manuskripts, und ich antworte, dass ich die Arbeiten daran schon vor einigen Monaten abgeschlossen hätte, es mir aber schwerfalle, einen Verlag für den Roman zu finden. Das liege sicherlich an dem mit 780 Seiten beträchtlichen Umfang, womöglich aber auch an dem Comic-Sujet. So hätte ich in Absageschreiben oft zu lesen bekommen, dass mein Roman zu speziell und nerdig sei. Das mag sein, würde ich daraufhin gern entgegnen, aber könnte man diesen Vorwurf nicht auch Patrick Süskinds »Das Parfüm« machen, dem vermeintlichen Lieblingsbuch von Kurt Cobain, das ihn immerhin zum Text des Nirvana-Songs »Scentless Apprentice« inspiriert hat?

Als nächstes lese ich ein weiteres Kapitel aus dem Roman vor, in dem es um die auf Comicauktionen erzielten Höchstpreise von Originalseiten und Erstausgaben geht. Die Lesung illustriere ich mit Abbildungen der erwähnten Werke, die ich mittels einer Keynote-Präsentation auf die Leinwand in meinem Rücken projiziere. Im Anschluss kommt Stefan auf die gezeigten Originalseiten in der Ausstellung zu sprechen und fragt mich, ob ich ebenfalls Comicoriginale sammle. Ich verneine die Frage, obwohl ich tatsächlich ein paar Originalzeichnungen besitze, die ich meist von mit mir bekannten Künstlern geschenkt bekommen habe, wie ich einschränkend zugebe. Allerdings sammle ich sie nicht im eigentlichen Sinne, weil die Originale in der Regel viel zu teuer sind und mein Budget weit überschreiten. Überdies reizen mich Comics weniger als singuläres Kunstwerk, sondern vielmehr als Massenprodukt in gedruckter Form, oft entstanden in einem gemeinschaftlichen Arbeitsprozess mit getrennten Verantwortlichkeiten für Text, Zeichnungen, Farben, Schrift. Auch in diesem Punkt ähneln in meinen Augen daher viele Comics eher Filmen als literarischen Werken.

Stefan kommt auf meine im ersten Teil gelesene Geschichte zurück, in der ich berichte, dass ich immer wieder Comics aussortiere. Im Museumskontext nenne man das »entsammeln«, erzählt er, eine Bezeichnung, die ich ganz entzückend finde. Wir sprechen über meine Aussortiertungskriterien und darüber, wie sich mein Geschmack seit meiner Kindheit verändert hat. Stefan möchte außerdem wissen, welchen Einfluss das Medium Comic auf mein Schreiben ausgeübt habe. Ich antworte, dass mich literarisch besonders die autobiografischen Independent-Comics, die in den 1990er Jahren in Nordamerika entstanden sind, beeindruckt und beeinflusst haben. Comics von Julie Doucet, Debbie Drechsler und den Toronto Three, also Chester Brown, Joe Matt und Seth, die alle im Verlag Drawn & Quartely in Montréal veröffentlicht wurden. In diesen Comics entdeckte ich eine radikale Offenherzigkeit, die ich aus der Literatur bis dahin nicht kannte. Diese war ehrlich und tief, schonungslos, aber nicht bleischwer. Ich hatte sie mir so hergeleitet, dass in den Comics die ungeheuerlichsten Geschichten und intimsten Momente geteilt werden konnten, weil sie gleichzeitig mit schönen, niedlichen oder komischen Zeichnungen abgefedert wurden. Auch wenn mir als Schriftsteller keine Bilder zur Verfügung standen, war diese Offenherzigkeit für mein Schreiben vorbildhaft.

Zum Abschluss lese ich noch eine Seite aus meinem Manuskript vor, die im Frühjahr 2016 spielt.

Politisch ist das Jahr eine Katastrophe. Im Land herrscht ein furchtbares Klima und die Lage ist bedrohlich. Die AfD ist in den Schlagzeilen und überall tauchen rechte Spinner auf, sogar vor der Akademie.

Während die Welt den Bach runtergeht, findet Marthe ihr Glück in der Liebe und an der Akademie, erzähle ich. Besonders die Stunden bei der Professorin Tereshchenko sind eine Offenbarung für sie, in denen ihr bewusst wird, dass Deutschland comicmäßig ein Entwicklungsland ist, weil es wegen der Nazis alle entscheidenden Innovationsschübe verpasst hat.

Unter Hitler gab es keine Disney-Comichefte, keine Superhelden und keinen Tintin. Der Rückstand war riesig und unter den Folgen leidet Deutschland bis heute. Hierzulande mangelt es nicht an guten Comickünstlern, meint Tereshchenko, sondern an der gesamten Comickultur. Es fehlen Comicpreise und Stipendien und wir müssen Comichäuser für Lesungen und Buchpräsentationen schaffen.

Mit diesen Sätzen endet meine Lesung. Jawohl, ruft Patrick und fängt an zu klatschen. Die anderen klatschen ebenfalls. Stefan erhebt sich, bedankt sich bei mir und den Zuhörerinnen und Zuhörern und weist auf die nächste Veranstaltung im Rahmen der »Comics in Westfalen«-Reihe hin, einen Manga-Workshop mit der Zeichnerin Martina Peters. Im Anschluss laden er und Dirk alle Anwesenden ins Café zu einem Getränk und Chili sin carne ein. Ich bin erleichtert, erschöpft und froh. Behutsam klappe ich meinen Computer zu und verstaue ihn und die Lesungsunterlagen in meinem Rucksack. Eine Frau tritt zum Tisch, die mir ein Buch abkauft und es signiert haben möchte. Eine andere Zuhörerin verabschiedet sich mit einem Kopfnicken von mir. Nachdem ich das Buch signiert und die Fragen der Frau beantwortet habe und sie gegangen ist, stehe ich auf, laufe zur Fensterbank und packe die restlichen mitgebrachten Bücher zurück in den Karton. Stefan kommt zu mir und überreicht mir ein Exemplar des Ausstellungskatalogs »Zok – Roarr – Wumm!« mit unserem Interview. Ich bedanke mich und packe es ebenfalls in den Karton. Danach bedanke ich mich bei dem Haustechniker und verabschiede mich von ihm, greife den Karton und verlasse mit Stefan das Gartenhaus. Vor der Tür stehen Charlotte, Alexandra, Patrick und Dirk und unterhalten sich. Sämtliche anderen Gäste haben das das Kulturgut bereits verlassen. Nachtblau funkelt der Himmel und zahllose Scheinwerfer bestrahlen das Kulturgut wie einen Königspalast. Zu sechst schlendern wir über den Kiesweg ins Haupthaus.

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