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Place Petite

Einer der in meinen Augen schönsten Sätze, die ich dieses Jahr geschmiedet habe, lautet: »Die französische Lebensart in Dorsten zu genießen fiel nicht leicht, am schwersten wahrscheinlich im Bistrorant ›Place Petite‹ im Lippetor unter der Rolltreppe im Untergeschoss ohne Tageslicht neben Schlecker.« Er wurde für Kevin Vennemann geschrieben, der wie ich in Dorsten aufwuchs, und für »cargo – Zeitschrift für Film, Medien und Kultur« eine schöne, lesenswerte Kolumne in der Reihe »Provinzkino« über das einstige Schlüssel-Kino im inzwischen abgerissenen Lippetor-Center verfasst hat. Bis heute setzt der Name des Einkaufszentrums ganz viele Erinnerungen in mir frei … Das Lippetor ist wohl meine Madeleine. Kein Wunder, ich musste auf dem Weg in die Schule ja auch immer hindurch oder dran vorbei. Oben, auf dem Parkdeck, war die Praxis einer meiner Ärzte von mir (Dr. Kobold; vgl. »Der Knubbel«, Schöner Lesen #1), und später wohnte eine Referendarin, in die ich verknallt war, sogar in einer Wohnung im Lippetor. Bizarrerweise bezog nach dem Ende des Schlüssel-Kinos eine Videothek die Räumlichkeiten – in »Hier keine Kunst«, meinem Dorsten-Roman, liest der Protagonist (also ich) sogar in dieser Videothek … Wahrscheinlich habe ich zwei Romane gebraucht, um mir meine Dorsten-Vergangenheit vom Leib zu schreiben, und wahrscheinlich bin immer noch nicht damit fertig.

Vielen Dank an Ekkehard Knörer für die Übersendung der Zeitschrift.

Im Maien da freuet man sich, da singt man, da springt man…

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Ich freue mich sehr über die tollen und schmeichelhaften Besprechungen von »Selfie ohne Selbst« von Frank Schäfer (taz) und Ulrich Thiele (Szene Hamburg).

»Am Ende wächst sich der Essay zu einer poetologischen Reflexion über das autofiktionale Schreiben aus, das Rutschky durch das eigene Werk, noch mehr aber vielleicht durch seine Arbeit als Herausgeber von Der Alltag in Deutschland maßgeblich geprägt und durchgesetzt hat. ›Selfie ohne Selbst‹ gehört natürlich in diese Tradition. Dieses Buch ist zum einen der schriftgewordene Beweis für Degens Schülerschaft. Und zugleich ist es auch eine Art Gegenentwurf zum späten Rutschky. Marc Degens führt hier vor, wie Autofiktion eben auch aussehen kann: Wohlwollend und aufgeschlossen für die volle Farbpalette des Lebens. Und vor allem mit einem gesunden, reflektierten Verhältnis zu den eigenen Eitelkeiten.« (Frank Schäfer, taz vom 7. Mai 2022)

»›Selfie ohne Selbst‹ bereitet – obwohl der Autor viel hadert und trauert – Freude, weil Degens, der mit seinem unprätentiösen Stil das Spektakel im Unspektakulären sucht, eine große Alltagssucht weckt. Insbesondere auf die Dinge, die den Alltag schöner machen: Lektüren, Spaziergänge, Kneipengespräche, Kulturveranstaltungen. Auf einer solchen Kulturveranstaltung, einer Preisverleihung, endet der Essay schließlich mit einer großartigen, klugen, irgendwie auch humorvollen Schlusspointe, in der sich die Poetologie seines Aufsatzes verdichtet. Mehr noch, vielleicht sogar all die ambivalente Poetologie der Autofiktion.« (Ulrich Thiele, Szene Hamburg, Mai 2022)

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