Öffentlicher Dienst: SUKULTUR

Wie in guten Serien

»Einmal schildert Marthes Studienfreund (und Nebenaffäre) Kurt seinen Traum von einer sechshundert Seiten langen Graphic Novel, ›die komplex ist, mit vielen Figuren und unterschiedlichen Orten‹. Es ist ein wenig, als beschriebe er mit diesem Comicprojekt, das ›es mit einer guten Fernsehserie aufnehmen kann‹, das poetologische Programm des Romans selbst, der uns auf ebenfalls fast sechshundert Seiten so tief ins eigentlich wenig dramatische Leben seiner Protagonisten eintauchen lässt, dass man heimisch darin zu werden beginnt – wie in guten Serien.«

Oliver Jungen über meinen Roman »Verführung der Unschuldigen« in der heutigen FAZ.

Sadie in Rostock * No Scribes in Berlin

Die sogenannte »Weltpremiere« meines Romans »Verführung der Unschuldigen« am Freitag in Rostock war etwas ganz Besonderes und klingt weiterhin in mir nach. Ich bin dankbar für die wunderbaren Begegnungen, die intensiven Gespräche und Ullas Zaubertränke. Das Sequential Art ist ein außergewöhnlicher Ort, der auf die Nachbarschaft ausstrahlt und die Stadt und die Menschen verändert – so wie das Sadie in meinem Roman. Ich danke Ron für die Einladung und den hinreißenden Abend! Und für das prachtvolle Lesungsplakat, das Robert Hochstaedter gezeichnet und gestaltet hat. Eines davon möchte ich auf diesem Weg verschenken, signiert von mir. Wer es haben möchte, schreibt mir bitte bis zum 15. November 2025 eine E-Mail (poster@mdegens.de). Bei mehreren Einsendungen entscheidet das Losverfahren. 

Plakat Ein Mensch ohne Comics ist blind

Am Samstagvormittag fuhr ich dann mit der Regionalbahn zurück nach Berlin, um mich abends in der Vagantenbühne von den NO SCRIBES verzaubern zu lassen. Die Erwartungen waren hoch, schließlich kannte ich die Texte von Paula Fürstenberg, Alisha Gamisch und Raphaëlle Red, die im neuen Schöner-Lesen-Leseheft veröffentlicht sind, doch meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Die Show war umwerfend, ein echtes Spektakel! Die Texte erstrahlten durch die perfekte Inszenierung von Lena Brasch – tatsächlich hatte ich so eine gelungene Literaturshow noch nie gesehen. Diese Show wird Maßstäbe setzen, da bin ich sicher, und wahrscheinlich einige Jahre lang unerreicht bleiben.

Für ein Publikum, das popkulturell in den 90er und 00er Jahren aufwuchs, ist sie in meinen Augen jedenfalls ein Must-see. Als Zuschauer war ich hin und weg und als SUKULTUR-Verleger extrem stolz. Beseelt von den letzten zwei Tagen reihte ich mich ans Ende der Warteschlange mit den Fans ein, um mein Plakat von Dreamy Scribe, Grumpy Scribe und Riot Scribe signieren zu lassen. Das werde ich niemals verschenken.

Plakat No Scribes

ES GIBT KEINE WAHRHEIT, NUR PRAXIS

Heute erscheint mein neuer Roman »Verführung der Unschuldigen« – ein Buch über Comics und das Verlegen von Indiebooks, über Kneipen, Plagiate, Akademien, Eichhörnchen und über die Liebe und das Leben in Zeiten von Putin und Trump.

»Verführung der Unschuldigen« ist ein Roman über Begeisterung, Enthusiasmus, Neulandbetreten, Selbstausbeutung und Starrsinn – und nicht zuletzt ein Buch für SUKULTUR, das sich auch aus meiner rund dreißigjährigen (!) Erfahrung als Mitgründer und Programmleiter dieser wahnwitzigen Unternehmung speist. (Note to self: Nächstes Jahr Verlagsjubiläum.)

Wohl auch aus diesem Grund ist mein fünfter Roman mit über 550 Seiten ziemlich dick geworden. Derartige Veröffentlichungen stellen für unabhängige Verlage einen immensen Kraftakt dar und sind mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden – um so mehr möchte ich mich an dieser Stelle beim Ventil Verlag bedanken, der dieses Wagnis eingegangen ist.

Ich bin gespannt auf die ersten Reaktionen, Rezensionen, Meinungen und all die Dinge, die da kommen werden. Zunächst aber wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Leistungsschauen

In diesem Monat haben mich gleich zwei Neuerscheinungen erreicht, zu denen ich auf die ein oder andere Weise beigetragen habe. Zum einen die 19. Ausgabe des Ziegels, eine über 400 Seiten pralle Leistungsschau der Hamburger Literaturszene, zu der ich vorerst als frischer Ex-Hamburger und Berlin-Rückkehrer vermutlich zum letzten Mal einen Beitrag beisteuern durfte. Das Thema des Hamburger Jahrbuchs für Literatur lautet Musik und in dem Band ist meine Erzählung »John« abgedruckt, eine What-if-Fantasie über John Lennons Karriere der letzten vierzig Jahre.

Zum anderen flatterte mir ein wie immer anmutig gestaltetetes Taschenbuch aus dem Berenberg Verlag ins Haus, in dem der Verleger meiner Bücher »Selfies ohne Selbst« und »Auf Sendung« selbst zur Feder bzw. Tastatur griff und klug und geistreich über ausgewählte Bücher und Autor*innen seines Verlags Auskunft gibt. Das Buch heißt »Vom Stemmen der Gewichte«, trägt den hintersinnigen Untertitel »News and Letters« und enthält u.a. einen Text über Michael Rutschky und mich mit dem Titel »Die Wahrheit der Autofiktion«.

Auch dieses Buch lässt sich durchaus als Leistungsschau begreifen – und ich bin Heinrich von Berenberg dankbar für seine Arbeit als Verleger und fühle mich angesichts des Klappentextes geschmeichelt und geehrt: »Die Autorinnen (und auch die Autoren), um die es in und anhand dieser Texte geht, erscheinen mir in diesen Zeiten unter literarischen, aber auch unter politischen Gesichtspunkten als so wichtig und auch bedeutend, dass hier nachgelesen werden kann, was ich, hoffentlich, von ihnen und im Austausch mit ihnen gelernt habe. Es ist viel; es hat mich, meine Ansichten und meine Gedanken verändert und bereichert, und das, finde ich, ist das Beste, was die Arbeit als Verleger von Büchern hergeben kann.«

Diesen letzten Satz hätte ich nicht so fein formulieren können, kann ihn als Verleger des SUKULTUR Verlags allerdings mit Nachdruck unterschreiben. 

Dies ist kein Wasser

degens.giancarloditrapano.faz

Obwohl ich Giancarlo DiTrapano nicht persönlich kennengelernt habe, hat er mich als Schriftsteller und SUKULTUR -Verleger enorm beeinflusst. Heute erschien in der Samstags-FAZ mein Porträt von ihm. In drei Tagen, am 30 Januar, wäre er 50 Jahre alt geworden. 

Neue Literatur im Rathaus

Herbert Hindringers Lesung am Mittwoch hat mich enorm beeindruckt. Die Lesung fand im Säulenkeller im Haus der Patriotischen Gesellschaft von 1765 an der Trostbrücke statt, einem von außen wie innen imposanten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Der Säulenkeller ist ein geheimnisvoller, konspirativer Ort. Fünfzehn Zuhörerinnen und Zuhörer waren zur Lesung zusammengekommen, der Raum war damit gut gefüllt, und ich fühlte mich wie das Mitglied einer frühchristlichen Sekte. Zu Beginn las Herbert zwei Texte aus seinem 2016 unter dem Pseudonym Uwe Uns veröffentlichten Buch »111 Gründe, Hamburg zu hassen«, danach begann der ernste Teil mit kürzerer, absurder Prosa und großartigen, noch unveröffentlichten Gedichten. Es ging um Ängste, Trauer und den Abschied von den Eltern. Dazwischen las Herbert seelenverwandte Gedichte von anderen Lyrikern vor: Mirko Bonné, Hendrik Rost, Thomas Brasch u.a. Moderiert und organisiert wird die Reihe »Neue Literatur im Rathaus«, die seit 2019 an diesem Ort stattfindet, von Peter Engel. Die nächste (übrigens kostenlose) Veranstaltung findet am 8. November 2023 statt, um 19 Uhr stellt die Schriftstellerin Sigrid Behrens dann dort ihren Roman »Gute Menschen« vor. Herbert Hindringers letzter Band mit Gedichten erschien 2011: Es wird Zeit für eine neue Lyrikveröffentlichung dieses erstrangigen Dichters.

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