Die F.A.Z. hat heute meinen Bericht zum 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen abgedruckt. Als Bonus hier die Schlusspassage, die es nicht ins Blatt geschafft hat: »Am Samstag konnte der Regenschirm endgültig durch den Sonnenschirm ersetzt werden. Vater und Sohn patrouillierten als Mandalorians verkleidet Hand in Hand durch den Stadtpark bei strahlendem Sonnenschein wie in den guten alten Zeiten. Das Gefühl einer Zeitreise konnte man auch in der Heinrich-Lades-Halle, der früheren Heimstatt des Comic-Salons, empfinden, in der die Comicbörse und der Comic-Flohmarkt stattfanden. Gierig umringten die Sammler dort die Stände und wühlten sich durch die Comic-Kisten. Ein Paradies für Nostalgiker und Nerds. Aber nicht nur Comichefte, Alben und Piccolos wurden auf der Börse angeboten, sondern auch Schlumpf-Figuren, japanische Süßwaren und signierte Autogrammkarten von Bud Spencer und Terence Hill. Das Maskottchen des Hauptsponsors des Salons verteilte derweil auf dem Marktplatz fleißig seine Werbeartikel im kräftigen Türkisgrün: Sonnenschutzsprays, Lippenpflegestifte, Strohhüte und aufblasbare Wasserbälle. Am Sonntag endete schließlich der Salon, auf dem sich die Comicszene so präsentierte, wie sie ist. Kindlich verspielt, widerstandsfähig und wachsam. Trotzig, zäh und robust. Häufig knapp bei Kasse und trotzdem die meiste Zeit in bester Laune.«
Wie Bolle freue ich mich auf den 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen und meine Romanvorstellung mit Andreas Platthaus am Freitag, den 5. Juni, im E-Werk (Kellerbühne) – direkt vor Beginn der Max und Moritz-Preisgala. Denn die Atmosphäre auf den bisherigen Salons, das Gewusel in den Messegängen, die Fülle an Ausstellungen und Veranstaltungen und die herzlich-fröhliche Stimmung in der gesamten Stadt besaßen für mich immer etwas Magisches. Diesen Zauber wollte ich auch in »Verführung der Unschuldigen« einfangen. Um so glücklicher bin ich, auf dem CSE26 nun aus dem Roman vorzulesen. Los geht es um 19 Uhr! Der Eintritt ist frei.
Bis 6 Uhr 15 geschlafen. Kaffee und lesen im Bett, danach Mini-Morgengymnastik und Brötchenfrühstück. Mail an Aleks Scholz, packen und kurz bei Doktor Rehder, die mir eine Impfbescheinigung für die Prioritätengruppe 3 ausstellt. Gemütliches Packen und Einräumen des Autos, um halb zwölf los. Durch Hamburg auf die A7 und dann durch Kiel bis Heikendorf (Kreis Plön). Halt auf dem Rewe-Parkplatz und Gang durch Alt-Heikendorf an der Buchhandlung Heikendorfer Bücherinsel vorbei bis zum Anleger Altheikendorf. In Heikendorf leben insgesamt 8.369 Einwohner lese ich auf Wikipedia: »Sichtbares Wahrzeichen ist das direkt an der Kieler Förde gelegene U-Boot-Ehrenmal Möltenort für die deutschen U-Boot-Fahrer beider Weltkriege, das von der Bronzeplastik eines überlebensgroßen Seeadlers überragt wird. Die alte Bronzefigur wurde im Jahr 2001 durch einen Neuguss, gespendet von der Witwe eines U-Boot-Kommandanten, ersetzt.« Berühmte Persönlichkeiten: Zahlreiche unbekannte niederdeutsche Autoren und Autorinnen – es scheint die Heikendorfer zum Stift zu drängen! – und Robert Habeck, der Bundesvorsitzende der Partei, die ich wähle. Auch ein Schriftsteller. Schlendern an der Boutique vestitum mode & accessoires vorbei und weiter bis zur Eisdiele, dann auf der anderen Straßenseite zurück und kurze Weiterfahrt nach Schönberg. Um 15 Uhr stellen wir das Auto ab, eine Stunde bevor wir die Schlüssel abholen können. Spaziergang am Deich bei Nieselregen, dann Warten vor der Rezeption mit anderen Gästen, alle nervig. Nach dreißig Minuten haben wir endlich die Schlüssel. Umparken und Einkauf bei Edeka im Nachbarort, da der Supermarkt vor der Tür bereits seit 16 Uhr geschlossen ist. Auspacken, ankommen, relaxen, Bier.
Dienstag, 18. Mai 2021, Schönberg
Bis kurz nach 7 geschlafen. Die Krups-Kaffeemaschine angeschaltet … Der Brühprozess dauert über eine halbe Stunde, wahrscheinlich wurde die Maschine noch nie entkalkt. Lesen und Kaffee aus den Mini-Tassen, die ich der Maschine zwischenzeitlich abringe – ich komme mir vor wie ein Bonsai-Gärtner. Mini-Stretching und Müslifrühstück. Lesen und Notizen für mein Giancarlo-Projekt. Um Viertel nach neun verlassen wir die Ferienwohnung. Wir fahren nach Panker zu dem Hotel, von dem Nina und Markus geschwärmt haben, und machen unterwegs einen Halt am Hessenstein, einem neogotischen Turm mit einem idyllisch gelegenen Restaurant davor, das Forsthaus Hessenstein. Für einen Euro Besteigung des polygonalen Turms, von dem aus wir die Ostsee sehen können. Danach mit dem Auto zum Gut Panker. Spaziergang durch das hübsche, an einem bezaubernden See gelegene Gutsdorf. Das Herrenhaus diente 1967 als Kulisse bei der Verfilmung der Novelle »Rheinsberg« von Kurt Tucholsky mit Cornelia Froboess. Weiter nach Lütjenburg. Parken und Spaziergang durch die Innenstadt im Nieselregen. Um die Innengastronomie zu benutzen, bedarf es eines Corona-Tests, der nicht älter als 24 Stunden ist. In der Apotheke am Marktplatz erkundigen wir uns, erhalten aber nur rudimentäre Auskünfte. Da wir ziemlich hungrig sind, essen wir am Markt in einer Metzgerei den Mittagstisch: Gulasch Szegediner Art mit Kartoffeln. Es ist so wie das Wetter: durchwachsen. Auch zwei berühmte Söhne der Stadt sind Schriftsteller. Zum einen der schillernde Hans Eppendorfer, der wegen Raubmordes verurteilt wurde und im Knast mit dem Schreiben begann, und zum anderen Rocko Schamoni. Ich kann mir gut vorstellen, wie Rocko als junger Dorfpunk durch die Stadt streifte und dann beim Metzger mit Daniel Richter, der ebenfalls in Lütjenburg aufwuchs, das Szegediner Gulasch in sich reinschaufelte. Um halb zwei wieder in der Ferienwohnung.
Mittwoch, 19. Mai 2021, Schönberg
Bis kurz nach 7 geschlafen. Alpträume, aber trotzdem besser geschlafen als am Vortag. Um kurz vor halb zehn verlassen wir die Wohnung und fahren zum Corona-Testzentrum, das im Ferienzentrum Holm untergebracht ist, einer scheußlichen Anlage, die 1972 eröffnet wurde. »Wie ein Flakturm ragt das Holmer Hochhaus auf«, schrieb der Spiegel 1972 über das Ferienzentrum Holm in dem Artikel »In zehn Jahren sind das hier Slums«. Während ich auf mein Testergebnis warte, ruft mich Peter an und fragt mich, ob ich im August an einer vom Literaturhaus Hamburg organisierten und mit 500 Euro honorierten Lesung auf einem Schiff teilnehmen möchte – natürlich! Danach mit dem Auto nach Hohwacht, kurz vorher Halt am Klabautermann, einem malerisch an der Bucht gelegenen Restaurant, das allerdings erst um 12 Uhr aufmacht und bereits eine Stunde vor Öffnung von aufdringlichen und distanzlosen Touristen umlagert wird. Stattdessen essen wir ein Fischbrötchen an einer Bude. Leider müssen wir lange warten, bis wir unsere Bestellung aufgeben können, zudem gibt es noch keine warmen Gerichte – erst ab 12 Uhr. Ich esse ein Matjesbrötchen, danach fahren wir nach Hohwacht, stellen unser Auto ab, gehen zum Strand und rufen von einem Strandkorb aus Edda an, die heute 70 Jahre alt wird, und gratulieren ihr zum Geburtstag. Danach Spazieren wir an der netten Strandpromenade entlang und kehren, da ich wieder Hunger habe, bei Tom’s Hütte ein, um ein Backfischbrötchen zu essen. Anschließend Spaziergang entlang der Steilküste. Am Aussichtspunkt werden wir von einem starken Regen überrascht und laufen entlang einer größeren Straße zurück zum Parkplatz. Wikipedia: »Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich in der Ortsmitte [von Hohwacht] ein KZ-Außenkommando. Hier fertigten zweihundert KZ-Häftlinge und dreihundert Zwangsarbeiter aus zwölf Nationen unter SS-Aufsicht Steuerungsteile für die Rakete V2.« Um 14 Uhr 15 zurück in Schönberg. Lesen und Schlaf, hinterher Kaffee und Tagebuch.
Peter Handke in Paris – Ein Film von Georg Stefan Troller (1975)
Georg Stefan Troller: »Als wir seinerzeit den Film über Peter Handke drehten, hat er nach Drehschluss mit dem gesamten Honorar, das er bekommen hat, das ganze Team ins teuerste Restaurant von Paris eingeladen. Das hatte noch nie jemand gemacht – und es hat auch niemand nach ihm gemacht.« (Zeitmagazin, 29.1.2020)
In den Himmel schauen, das beruhigte, vor allen Dingen, wenn sich die Wolken bewegten. Noch entspannender war es für mich, Taubenschwärmen dabei zuzusehen, wie sie in riesigen Formationen auf unvorhersagbaren Bahnen an den Kirchtürmen vorbei über die Dächer sausten, wie ein animiertes Fraktal und fliegender Beweis für die Unberechenbarkeit chaotischer dynamischer Systeme, um plötzlich im Sturzflug halsbrecherisch in die Häuserschlucht vor meinem Fenster zu verschwinden.
Aus »Mein Jahr in der Fußgängerzone« im Merkur 924 (Mai 2026).
Mit Gewinn habe ich Hanspeter Reiters ausführliche und sachkundige Besprechung meines Romans »Verführung der Unschuldigen« auf dem größten deutschsprachigen wissenschaftlichen Onlineportal zur Kinder- und Jugendmedienforschung gelesen. Das Ergebnis seiner Analyse hat mich in seiner Bestimmtheit überrascht und zugleich hocherfreut.
Die April-Ausgabe der Zeitschrift KUNSTFORUM INTERNATIONAL hat das Thema »Das inszenierte Selbst – Autofiktion in der Gegenwartskunst«.
In der neuen Folge seiner RELEKTÜREN-Kolumne stellt Rainer Metzger Michael Rutschkys Tagebuch MITGESCHRIEBEN vor und behandelt in der zweiten Hälfte seiner Kolumne vor allem Rutschkys dritten und letzten Tagebuchband AM ENDE.
Dabei kommt er auch auf Rainald Goetz‘ Arbeitsjournal MORAL MAZES (erstveröffentlicht im Merkur 900, Mai 2024; abgedruckt in WRONG) und mein Buch SELFIE OHNE SELBST (Berenberg, 2022) zu sprechen.
Nicht nur aufgrund dieser Kolumne finde ich die Ausgabe anregend und lehrreich.
Ein Highlight für mich war etwa Isabel Mehls Aufsatz über Lynne Tillmans Interview mit Meret Oppenheim »Don’t Cry … Work« von 1973, dessen Titel zehn Jahre später als Umschlagsmotto (ohne Nennung der Quelle) auf dem Buchrücken von Rainald Goetz‘ Debütroman IRRE abgedruckt wurde.
Auf literaturkritik.de fand Werner Jung im März lobende Worte für meinen Roman »Verführung der Unschuldigen«, 8 Tage später für mein Lesebuch. Als Open Access-Publikation lässt sich das Lesebuch nun kostenlos herunterladen. Ich freue mich, wenn das PDF gelesen und der Link geteilt wird!
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