Öffentlicher Dienst: Rainald Goetz

Kunstforum International

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Die April-Ausgabe der Zeitschrift KUNSTFORUM INTERNATIONAL hat das Thema »Das inszenierte Selbst – Autofiktion in der Gegenwartskunst«.

In der neuen Folge seiner RELEKTÜREN-Kolumne stellt Rainer Metzger Michael Rutschkys Tagebuch MITGESCHRIEBEN vor und behandelt in der zweiten Hälfte seiner Kolumne vor allem Rutschkys dritten und letzten Tagebuchband AM ENDE.

Dabei kommt er auch auf Rainald Goetz‘ Arbeitsjournal MORAL MAZES (erstveröffentlicht im Merkur 900, Mai 2024; abgedruckt in WRONG) und mein Buch SELFIE OHNE SELBST (Berenberg, 2022) zu sprechen.

Nicht nur aufgrund dieser Kolumne finde ich die Ausgabe anregend und lehrreich. 

Ein Highlight für mich war etwa Isabel Mehls Aufsatz über Lynne Tillmans Interview mit Meret Oppenheim »Don’t Cry … Work« von 1973, dessen Titel zehn Jahre später als Umschlagsmotto (ohne Nennung der Quelle) auf dem Buchrücken von Rainald Goetz‘ Debütroman IRRE abgedruckt wurde.

Fensterplatz

Die autorenbuchhandlung berlin am Savignyplatz präsentiert in regelmäßigen Abständen in einem ihrer Schaufenster die Lesebiografien von Kulturschaffenden und Autor*innen und fragt nach deren Lieblingsbüchern. Im Januar habe ich die Ehre, das Schaufenster zu bestücken, und hoffe, dass einige Entdeckungen dabei sind. Ich erfreue mich derweil an dem Gedanke, dass mein Roman in dem Schaufenster eine Art Litfaßsäule in Charlottenburg hat – und das auch noch in einem so schönen und kulturell wichtigen Leuchtturm Berlins.

Eine Übersicht der Bücher findet sich zudem HIER.

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Zettls Wahn

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Herr Geiser »geht mit Marc Degens mit, in Selfie ohne Selbst, durch Freundschaft und Verrat, Treue, Milde, Wut«. Erschrocken las ich die Worte immer wieder. Meine Augen flogen über die nächsten Zeilen und registrierten fieberhaft die Namen. Thomas Brasch, Werner Schwab, Helga Schubert. Jean Améry. David Hume über den Freitod. Dann starrte ich auf die fettgedruckte Überschrift oben auf der Seite. 2 Zettls Wahn. Es fühlte sich an, als wäre ich plötzlich in Ohnmacht gefallen, aus meinem Bett und meinem Körper fortgeschleudert worden und in einer Welt aus Buchstaben, Ziffern und Schriftzeichen erwacht. Ich schaute mich um und fürchtete mich, dabei war ich nun doch genau das, was ich immer sein wollte. Ein Papierwesen. Ein Stück Literatur…

Schwarz, Grün und Lila auf Weiß: Mein Text »Im Lapidarium« heute in der FAZ.

Im Lapidarium

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Herr Geiser »geht mit Marc Degens mit, in Selfie ohne Selbst, durch Freundschaft und Verrat, Treue, Milde, Wut«.

PS

WRONG

Freitag, 17. Mai 2024, Hamburg

Um 3 Uhr 30 wach geworden und bestimmt anderthalb Stunden lang wachgelegen und nachgedacht. Um 6 Uhr 30 vom Wecker geweckt. Kaffee und lesen im Bett, danach Morgengymnastik und Haferbreifrühstück. Es klingelt an der Tür. Mein Nachbar steht im Flur und sagt, dass er ein Paket für mich angenommen habe. Voller Spannung trage ich das Paket in die Küche und öffne es. The Carl Barks Library of Walt Disney’s Donald Duck Schuber VIII. Die drei Bände, die ich günstig auf ebay erworben habe, sind in einem Superzustand. Riesenfreude!

Beantwortung der Fragen für das Interview für die Comicausstellung im Museum für Westfälische Literatur auf Haus Nottbeck. Um kurz nach halb zwölf verlasse ich die Wohnung und esse einen Dürum Döner. Danach Telefonat mit meiner Tante, die mich auf dem Handy angerufen hat und mir schöne Feiertage wünscht. Kaum bin ich wieder zuhause, erhalte ich eine E-Mail: Das neue Goetz-Buch da! Ab zur Buchhandlung Lüders. Dort kaufe ich nicht nur »wrong«, sondern für elf Euro antiquarisch auch Walter Kempowskis Haftbericht »Im Block«. 

Um 13 Uhr 20 mit »wrong« ins Bett. Ich bin fasziniert von dem fast schon kitschigen Familienfoto hinten im Buch: Rainald Goetz und seine Frau, umringt von den drei Kindern in idyllischer Eintracht auf dem Sofa. Der Dichterpunk als Familienmensch und Papa.

Lesen und Schlaf. Hinterher Kaffee und posten des Fotos und des Covers auf meinem Instagramkanal: »☑️ #wrong #RainaldGoetz #Schlucht«

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David Wagner kommentiert das Bild auf meinem Kanal: »so ein blöder Kitsch.«

Thorsten Krämer: »das foto ist nicht echt, oder?«

Jonas Rump: »Ich will den Raver Goetz zurück«

agumz: »er sieht alt, senil und glücklich aus. wunderbar.«

Thorsten Krämer teilt das Bild in seiner Instagram-Story und schreibt dazu: »Was Ihnen an Rainald Goetz schon immer suspekt vorkam – hier jetzt in einem Bild zusammengefasst«

Nachmittags weiter am Gian-Text. Abends fernsehen.

Samstag, 18. Mai 2024, Hamburg

Bis 7 Uhr 20 geschlafen. Kaffee und lesen im Bett. buchmarkt.de schreibt in der Vorgeblättert-Rubrik hinsichtlich der Besprechung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die beiden neuen Bücher von Rainald Goetz: »Zwei neue Bücher des Autors der Gegenwärtigkeit versammeln Texte und Stücke aus den vergangenen Jahren. Und machen in ihrer Gestrigkeit ratlos.«

Gewiss, das Goetz-Buch ist gestrig und das Familienfoto kitschig – dennoch mag ich »wrong« und finde darin auf Anhieb viele kluge Gedanken. Etwa Goetz‘ Unterteilung in Schriftsteller*innen, deren Schreiben aus dem Erzählen, und solche, deren Schreiben aus der Sprache kommt. Das finde ich sehr plausibel. Goetz selbst sieht sich als Sprachautor, was zur Folge habe, dass sein Schreiben sehr dem Deutschen verhaftet sei. Das macht es schwer, seine Literatur zu übersetzen, gleichzeitig prädestiniert es ihn für die Bühne. Ich wiederum glaube für mich, dass ich, obwohl ich viel Wert auf Stil lege, eher ein Autor bin, der vom Erzählen kommt. Meine Bücher und Texte leben von der Geschichte, ließen sich gewiss auch gut verfilmen oder übersetzen, aber wahrscheinlich bin ich deshalb auch kein Autor für die Bühne und von Theaterstücken geworden.

Gut zu wissen.

Morgengymnastik und Frühstück.

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MÄNNER!

»Marc Degens versammelt Vollmundig-Metapoetisches zu einem Mansplaining-Dramolett«, heißt es im Newsletter über meinen Text, der im neuen Merkur auf 14 Seiten abgedruckt ist.  Die neue Ausgabe (Nummer 862, März 2021) ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen, nicht nur für…

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